In einem exklusiven Interview erklärt Torsten Madsen, CEO des dänischen Biotech-Unternehmens Hoba Therapeutics, wie die Entwicklung von Medikamenten gegen chronische Schmerzen voranschreitet und welche Hürden dabei bestehen. Chronische Nervenschmerzen – auch neuropathische Schmerzen genannt – betreffen weltweit über 400 Millionen Menschen. In Europa leiden etwa sechs bis acht Prozent der Bevölkerung darunter. Bisher werden diese Schmerzen vor allem mit Antidepressiva wie trizyklischen Antidepressiva (TCA) oder selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs), Antiepileptika wie Pregabalin und Gabapentin sowie mit Opioiden behandelt. Ein großes Problem: Diese Medikamente bekämpfen oft nicht die Ursache der Schmerzen, sondern nur die Symptome. Wenn zum Beispiel Nervenschäden vorliegen, die die Schmerzen auslösen, sind die Wirkstoffe weniger effektiv. Camilla Petrycer Hansen von Novo Holdings betont, dass chronische Schmerzen ein großes, aber lange vernachlässigtes Problem sind, weil es in diesem Bereich zu wenig innovative Lösungen gibt. Die Entwicklung neuer Schmerzmittel ist besonders schwierig, weil Studien aufwändig sind und Schmerzmodelle in Laboren oft nicht gut mit der realen Situation beim Menschen übereinstimmen. Das erschwert die Planung von großen klinischen Studien. Experten setzen daher auf genauere Tests wie die sogenannte Quantitative Sensory Testing (QST), um Schmerzen besser zu verstehen und zu behandeln. Bei chronischen Schmerzen gibt es derzeit keine perfekte Lösung. Viele Patienten müssen sich zwischen guter Schmerzlinderung und starken Nebenwirkungen entscheiden. Sie wechseln oft zwischen verschiedenen Therapien, ohne dass die Schmerzen ausreichend gelindert werden. Die Forschung konzentriert sich daher auf neue Ansätze, die gezielt die Ursachen von chronischen Schmerzen behandeln. Drei wichtige Trends gibt es aktuell: Erstens wird immer weniger an Medikamenten gearbeitet, die an Opioid-Rezeptoren ansetzen. Zweitens werden frühere und genauere Studien durchgeführt, um besser zu verstehen, für welche Patienten ein Medikament geeignet ist. Drittens werden neue Therapieprinzipien entwickelt, die auch großes Interesse bei großen Pharmakonzernen wecken. Madsen zeigt sich optimistisch: Ende 2023 gab es Anzeichen, dass sich große Pharmaunternehmen wieder mehr für die Erforschung von Medikamenten gegen Nervenerkrankungen interessieren. Dies könnte ein Wendepunkt sein, nachdem es in den vergangenen Jahrzehnten kaum Fortschritte gab. Patienten und Ärzte hätten dann endlich mehr Optionen, um chronische Schmerzen besser zu behandeln.


