Ipsen übernimmt Schweizer Biotech-Firma: Neues Medikament gegen Nierentransplantat-Komplikation in Aussicht

Das Pharmaunternehmen Ipsen übernimmt die Schweizer Biotech-Firma Memo Therapeutics AG für bis zu 700 Millionen Euro. Dadurch erhält Ipsen Zugang zu einem vielversprechenden neuen Medikament namens potravitug, das speziell für Patienten nach einer Nierentransplantation entwickelt wird. Diese Patienten leiden manchmal an einer schweren Komplikation, der sogenannten BK-Polyomavirus-assoziierten Nephropathie (BKPyVAN). Bei dieser Krankheit wird das neue Medikament als möglicher Durchbruch angesehen, da es gezielt gegen das BK-Virus wirkt, ohne das Immunsystem zu schwächen. Aktuell gibt es keine zugelassene gezielte Therapie gegen diese Krankheit. Ärzte müssen daher oft die unterdrückenden Medikamente reduzieren, was das Risiko einer Abstoßung des transplantierten Organs erhöht.

Das neue Medikament potravitug befindet sich derzeit in der klinischen Phase II und wurde in der bisher größten Studie dieser Art getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass potravitug das Virus wirksam bekämpft und die Nierenschäden verbessert. So erreichten 24,4 Prozent der behandelten Patienten nach 38 Wochen keine nachweisbare Viruslast mehr im Blut, während dies nur bei 13 Prozent der Placebo-Patienten der Fall war. Zudem konnte bei 40,3 Prozent der behandelten Patienten eine deutliche Reduktion der Viruslast um mehr als das Tausendfache beobachtet werden, verglichen mit 24,7 Prozent in der Placebo-Gruppe. Auch die Anzahl der Nierenbiopsien, die eine BKPyVAN-Erkrankung bestätigten, sank in der potravitug-Gruppe von 51,2 Prozent auf 31,6 Prozent, während sich in der Placebo-Gruppe keine Veränderung zeigte.

Die Aktionäre von Memo Therapeutics AG erhalten zunächst 200 Millionen Euro. Die Übernahme soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden, sofern alle rechtlichen Bedingungen erfüllt sind. Ipsen hatte bereits im Oktober 2023 ein weiteres Biotech-Unternehmen, ImCheck Therapeutics, für 1 Milliarde Euro übernommen, um Zugang zu einem neuen Medikament im Bereich der Krebsbehandlung zu erhalten. Durch diese Übernahme stärkt Ipsen seine Position im Bereich seltener Krankheiten und erweitert sein Portfolio mit innovativen Therapieansätzen.

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