In der Medizin gibt es eine bahnbrechende Entwicklung: Zelltherapien, die direkt im Körper des Patienten wirken. Bisher wurden Zellen außerhalb des Körpers (ex vivo) verändert und dann zurückgegeben. Jetzt testen Forscher erstmals Therapien, die Zellen *innerhalb* des Körpers (in vivo) umprogrammieren – ein großer Schritt für die Krebsbehandlung und andere schwere Erkrankungen.
Wie funktioniert das?
Bei herkömmlichen Zelltherapien entnehmen Ärzte dem Patienten bestimmte Zellen, verändern sie im Labor mit einem neuen Gen und geben sie dann zurück. Bei den neuen in vivo-Therapien wird das Gen direkt im Körper übertragen – zum Beispiel mit einem modifizierten Virus oder winzigen Fettteilchen (Lipid-Nanopartikel, LNP). Diese wirken wie ein Transportmittel, das das Gen gezielt in die Zellen bringt.
Warum ist das ein Fortschritt?
Die neuen Methoden könnten viele Probleme lösen:
– **Einfache Anwendung**: Keine aufwendige Herstellung außerhalb des Körpers nötig.
– **Schnellere Verfügbarkeit**: Therapien könnten als „Fertigprodukte“ angeboten werden, ähnlich wie Medikamente.
– **Geringere Kosten**: Keine teure und komplexe Zellverarbeitung im Labor.
Doch es gibt auch Herausforderungen:
– **Dosierung**: Es ist schwer, die genaue Menge der veränderten Zellen zu kontrollieren.
– **Nebenwirkungen**: Das Transportmittel könnte auch gesunde Zellen angreifen oder allergische Reaktionen auslösen.
– **Technische Hürden**: Nicht alle Gene lassen sich gleich gut übertragen.
Große Pharmakonzerne wie AstraZeneca, Eli Lilly und Bristol Myers Squibb investieren bereits Milliarden in diese Technologie. So kaufte AstraZeneca 2025 das Unternehmen EsoBiotec für 1 Milliarde Dollar, um in vivo-CAR-T-Zelltherapien voranzutreiben. Erste Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse: Bei fünf Patienten mit multiplem Myelom (einer Krebsart) sprachen vier auf die Therapie an, drei erreichten sogar eine vollständige Remission.
Experten wie David Peritt von Lupagen betonen, dass in vivo-Therapien zwar einfacher herzustellen sind, aber auch die Grenzen von Gentechnik mitbringen. Sein Unternehmen hat eine Methode entwickelt, bei der Zellen außerhalb des Körpers behandelt und dann zurückgegeben werden – eine Art Mischform aus in vivo und ex vivo.
Die Zukunft: Werden beide Methoden nebeneinander bestehen?
Die meisten Forscher gehen davon aus, dass beide Ansätze wichtig bleiben. Ex vivo-Therapien sind bereits etabliert und gut erforscht, in vivo-Methoden könnten langfristig günstiger und zugänglicher werden. Doch bis dahin sind noch viele Fragen zu klären – etwa zur Sicherheit und Wirksamkeit.
Für Patienten bedeutet das: Hoffnung auf neue, wirksamere Behandlungen. Für die Industrie bedeutet es einen Wettlauf um die besten Lösungen. Eines ist sicher: Die Medizin steht vor einem Paradigmenwechsel.


