Japanische Forscher haben in einer neuen Studie herausgefunden, dass ein genetisch veränderter Bakterienstamm namens Bifidobacterium longum die Wirksamkeit von Krebsimmuntherapien erhöhen könnte. Konkret handelt es sich um ein neu entwickeltes orales Krebsimpfstoff-Konzept, das in Kombination mit Immun-Checkpoint-Hemmern eingesetzt werden könnte.
Das Forschungsteam der Tokushima University, Hiroshima University und Hamamatsu University entwickelte den Impfstoff B440, der auf einem speziellen Bakterium basiert. Dieses Bakterium wurde so verändert, dass es ein bestimmtes Protein (WT1) besser verarbeiten und dem Immunsystem präsentieren kann. WT1 ist ein Protein, das häufig in Krebszellen vorkommt und vom Immunsystem erkannt werden soll.
In einer kleinen Phase-I-Studie mit 12 Patient:innen, die an metastasiertem Blasenkrebs litten und bei denen vorherige Behandlungen nicht anschlugen, wurde der Impfstoff getestet. Bei sechs Patient:innen konnte bereits vor der Impfung eine schwache Immunantwort gegen das WT1-Protein nachgewiesen werden. Bei diesen Personen verlängerte sich die Zeit bis zum Fortschreiten der Krankheit im Vergleich zu den anderen Studienteilnehmer:innen. Bei den anderen sechs Patient:innen, bei denen vorher keine Immunantwort nachweisbar war, löste der Impfstoff B440 erstmals eine WT1-spezifische Immunreaktion aus.
Nach dem Ende der Studie erhielten sieben Patient:innen zusätzlich eine weitere Immuntherapie mit dem Medikament Pembrolizumab. Bei drei dieser Patient:innen zeigte sich daraufhin eine Schrumpfung der Tumore. Diese drei Patient:innen wiesen nach der Impfung eine nachweisbare WT1-spezifische Immunantwort auf. Die Forscher vermuten daher, dass der Impfstoff B440 eher als Verstärker denn als Auslöser des Immunsystems wirkt.
Ein weiterer wichtiger Befund: Bei nur einer Patient:in trat eine leichte Nebenwirkung auf, bei der vorübergehend erhöhte Werte des Entzündungsbotenstoffs Interleukin-6 (IL-6) gemessen wurden.
Shirakawa Toshiro, Krebsforscher an der Kobe University, betont: „Wir brauchen neue Methoden, die sicher die Anti-Tumor-Immunantwort stärken und gleichzeitig Immun-Checkpoint-Hemmer ergänzen können. Viele orale Impfstoffe, die derzeit verwendet werden, richten sich gegen Infektionskrankheiten und basieren auf abgeschwächten oder inaktiven Erregern. Ein sicheres und vielseitiges orales System, das gezielt bestimmte Proteine wie Krebsantigene zum darmassoziierten Immungewebe transportiert, stellt jedoch weiterhin eine große Herausforderung dar.“
Da es sich um eine kleine Studie handelte, können die Ergebnisse noch nicht abschließend bewertet werden. Shirakawa betont, dass die Studie nicht darauf ausgelegt war, die Wirksamkeit des Impfstoffs zu beweisen, sondern erste Hinweise zu liefern.
Aktuell läuft eine weitere Studie (Phase I/II), in der der Impfstoff B440 in Kombination mit den Immun-Checkpoint-Hemmern Nivolumab und Ipilimumab bei nicht-operierbarem bösartigem Rippenfellkrebs (malignes Pleuramesotheliom) getestet wird. Die Forscher sehen in diesem Ansatz einen vielversprechenden nächsten Schritt hin zu oralen Krebsimpfstoffen als Teil einer Kombinationstherapie bei Krebs. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin *JCO Oncology Advances* veröffentlicht.


