Eine innovative Strahlentherapie, die speziell auf das Tumorumfeld abzielt, hat in einer Studie bei Patienten mit fortgeschrittenen, bösartigen Tumoren vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Die Therapie richtet sich gegen das Protein FAP (Fibroblasten-Aktivierungsprotein), das in vielen Krebsarten vorkommt. In der frühen klinischen Studie wurden 88 Patienten mit fortgeschrittenen, metastasierten Tumoren behandelt. Sie erhielten eine von drei möglichen radioaktiven Substanzen (177Lu, 90Y oder 225Ac), die an einen FAP-Blocker (3BP-3940) gekoppelt waren. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Fast 67 Prozent der Patienten zeigten eine deutliche Tumorverkleinerung oder -stabilisierung, und bei über 80 Prozent konnte die Krankheit kontrolliert werden. Nach zwei Behandlungszyklen erreichten 51,5 Prozent der Patienten eine teilweise Rückbildung des Tumors, bei 15,2 Prozent blieb die Krankheit stabil und bei 3 Prozent bildete sich der Tumor vollständig zurück. Bei etwa 30 Prozent der Patienten schritt die Krankheit leider weiter fort. Die durchschnittliche Überlebenszeit der Patienten betrug sieben Monate. Besonders bemerkenswert ist, dass diese Therapie auch bei Patienten wirksam war, die bereits mehrere andere Behandlungen erfolglos ausprobiert hatten. Dr. Richard Baum, Professor am Curanosticum Wiesbaden-Frankfurt, erklärt: „Diese Patienten hatten kaum noch Behandlungsmöglichkeiten. Trotzdem konnten wir in vielen Fällen eine deutliche Besserung oder zumindest eine Stabilisierung der Krankheit erreichen. Das kann für die Lebensqualität der Betroffenen einen großen Unterschied machen.“ Dr. Jingjing Zhang von der National University of Singapore ergänzt: „Das Spannende an dieser Studie ist, dass die Therapie nicht nur bei einer bestimmten Krebsart wirkt, sondern bei vielen verschiedenen Tumoren. Indem wir direkt das Tumorumfeld angreifen, können wir auch bei Patienten mit wenigen verbleibenden Optionen noch gute Ergebnisse erzielen. Das könnte den Weg für eine neue Generation von Strahlentherapien ebnen, die bei einer Vielzahl von Krebsarten eingesetzt werden können.“ Die Studie wurde im ‚Journal of Nuclear Medicine‘ veröffentlicht. Parallel dazu haben sich im April die Unternehmen Regeneron und Telix Pharmaceuticals zusammengeschlossen, um gemeinsam neue Strahlentherapien für schwer behandelbare Krebsarten zu entwickeln. Das Projekt hat ein Potenzial von bis zu 4,3 Milliarden US-Dollar.


