Neue Studie: Bunsenbrenner sind in Laboren oft nutzlos gegen Keime in der Luft

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass der Einsatz von Bunsenbrennern zur Verringerung von Keimen in der Luft in Laboren kritisch hinterfragt werden muss. Bisher wurden Bunsenbrenner in vielen Laboren als Standardmaßnahme eingesetzt, um eine keimfreie Arbeitsumgebung zu schaffen. Die Flamme sollte dabei Luftkeime „nach oben und weg“ von den zu bearbeitenden Proben tragen und so eine „desinfizierte Zone“ schaffen. Doch laut einer aktuellen Studie von DeVincent und Kollegen gibt es dafür kaum wissenschaftliche Belege.

Die Forscher untersuchten in Experimenten, ob ein aktiver Bunsenbrenner tatsächlich die Ablagerung von Keimen auf Petri-Schalen reduziert. Dafür wurden Bakterien in die Luft eines Labors freigesetzt und die Keimablagerungen mit und ohne aktive Flamme gemessen. Das Ergebnis: Ein brennender Bunsenbrenner hatte **keinen durchschnittlichen Effekt** auf die Keimbelastung der Proben. In manchen Fällen verschlimmerte sich die Situation sogar – besonders bei trockenen Keimpartikeln, wenn die Belastung unter einem bestimmten Wert lag.

Nur bei sehr hoher Keimbelastung (über 83 koloniebildende Einheiten pro Minute) zeigte der Bunsenbrenner eine leichte positive Wirkung. Allerdings spielte es keine Rolle, wie lange die Flamme brannte: Schon nach dem Einschalten bildeten sich Luftströmungen, die möglicherweise für die Keimverteilung verantwortlich sind. Die Forscher vermuten, dass diese Strömungen sofort entstehen und nicht, wie oft angenommen, erst nach längerer Zeit.

Die Studie betont, dass der Nutzen von Bunsenbrennern stark von der Umgebung abhängt. In Laboren mit hoher Keimbelastung könnte ihr Einsatz sinnvoll sein, aber in den meisten Fällen bringt er **keinen messbaren Vorteil**. Die Autoren raten daher dazu, stattdessen auf wissenschaftlich fundierte Methoden zur Keimreduktion zu setzen, die ohne offene Flammen auskommen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin *Applied and Industrial Microbiology* veröffentlicht.

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