Der britische Pharmakonzern GSK hat sich die weltweiten Rechte (außerhalb von China, Hongkong, Macau und Taiwan) an einem neuen Medikament gegen Fettstoffwechselstörungen gesichert. Das Präparat mit dem Namen SA030 wurde von dem chinesischen Biotech-Unternehmen SiranBio entwickelt und gehört zur Gruppe der sogenannten small interfering RNA (siRNA)-Therapien. Im Erfolgsfall könnte GSK bis zu 1 Milliarde US-Dollar an SiranBio zahlen – einen Teil sofort, den Rest bei Erreichen bestimmter Meilensteine. Zudem wären dann gestaffelte Lizenzgebühren auf die weltweiten Umsätze fällig.
SA030 wirkt gezielt auf den sogenannten ALK7-Rezeptor ein, der eine Rolle bei der Fettverteilung im Körper spielt. Das Medikament soll vor allem das gefährliche Bauchfett reduzieren und dabei gleichzeitig die Muskelmasse erhalten. Das ist besonders wichtig, da viele andere Medikamente gegen Übergewicht – wie die beliebten GLP-1-Rezeptor-Agonisten (z. B. Wegovy oder Zepbound) – oft zu einem unerwünschten Muskelabbau führen können.
SiranBio betont, dass ALK7-Hemmung nicht nur bei Fettleibigkeit, sondern auch bei Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes helfen könnte. Bisher gibt es noch keine zugelassenen Medikamente, die direkt auf diesen Rezeptor wirken. GSK setzt damit auf einen neuen Ansatz, der sich von den üblichen GLP-1-basierten Therapien unterscheidet.
Interessant ist, dass auch ein anderes Unternehmen, Arrowhead Pharmaceuticals, an einem ähnlichen Wirkstoff (ARO-ALK7) forscht – dieser wurde bereits in einer frühen Studie zusammen mit Eli Lillys Abnehm-Medikament Zepbound getestet.
GSK will damit seine Position im wachsenden Markt für Gewichtsmanagement stärken, ohne direkt mit den dominierenden GLP-1-Medikamenten zu konkurrieren. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf Therapien, die die Folgeerkrankungen von Übergewicht behandeln, etwa Lebererkrankungen wie die sogenannte MASH (ehemals NASH). Aktuell läuft hier die Phase-III-Studie ZENITH. Zudem hat GSK kürzlich für 950 Millionen US-Dollar das Biotech-Unternehmen 35Pharma übernommen, um dessen Medikament HS235 gegen Lungenhochdruck zu nutzen. Dieses könnte laut GSK auch positive Effekte auf den Fettstoffwechsel und das Körpergewicht haben.
Der Markt für Übergewichtsmedikamente wächst rasant: Experten schätzen, dass er bis 2031 allein 206 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Neben GLP-1-Medikamenten könnten in Zukunft auch andere Therapieansätze wie Wirkstoffe, die auf den Calcitonin-Rezeptor abzielen, an Bedeutung gewinnen. Für Patienten bedeutet dies mehr Behandlungsmöglichkeiten – und möglicherweise schon bald eine weitere Option, um Übergewicht und damit verbundene Gesundheitsrisiken in den Griff zu bekommen.


