Der Schweizer Pharmakonzern Novartis gibt heute bekannt, dass er das US-amerikanische Biotech-Unternehmen Pikavation Therapeutics, eine Tochtergesellschaft von Synnovation Therapeutics, für bis zu 3 Milliarden US-Dollar übernimmt. Mit dieser Übernahme sichert sich Novartis Zugang zu einer vielversprechenden Pipeline von neuen Medikamenten, die gezielt auf bestimmte Tumorarten wirken – insbesondere auf hormonrezeptorpositive (HR+) und HER2-negativen (HER2-) Brustkrebs sowie auf andere fortgeschrittene solide Tumore.
Das wichtigste Medikament aus diesem Portfolio ist SNV4818, ein neuartiger PI3Kα-Hemmer, der derzeit in Phase I/II der klinischen Entwicklung getestet wird. PI3Kα ist ein Enzym, das bei vielen Brustkrebspatientinnen mit der genannten Tumorart mutiert ist und das Tumorwachstum fördert. Der Wirkstoff SNV4818 wurde speziell entwickelt, um gezielt diese mutierten Enzyme zu blockieren, ohne gesunde Zellen stark zu schädigen. Dadurch könnte das Medikament besser verträglich sein und eine längere Wirksamkeit entfalten als bisherige Therapien.
Dr. Shreeram Aradhye, Präsident für Forschung und Entwicklung bei Novartis, erklärt: “Mutationen im PI3Kα-Gen sind ein bekannter Faktor bei HR+/HER2- Brustkrebs. Bisher war es jedoch eine Herausforderung, diesen Signalweg effektiv zu hemmen, ohne dass die Patienten starke Nebenwirkungen erleiden. SNV4818 nutzt eine neue, gezielte Chemie, die Tumorzellen präzise angreift und gesunde Zellen schont. Das könnte zu einer besseren Verträglichkeit und einer längeren Wirksamkeit für die Patientinnen führen.”
Unter dem Übernahmevertrag zahlt Novartis zunächst 2 Milliarden US-Dollar im Voraus und kann bis zu 1 Milliarde US-Dollar in weiteren Zahlungen leisten, sobald bestimmte Meilensteine erreicht werden. SNV4818 könnte auch in Kombination mit anderen Therapien wie CDK-Hemmern oder Hormontherapien eingesetzt werden, was die Behandlungsmöglichkeiten weiter verbessern würde.
Wenqing Yao, CEO von Synnovation, betont: “Wir werden auch weiterhin unsere anderen vielversprechenden Projekte vorantreiben, darunter unser selektiver PARP1-Hemmer SNV1521 sowie weitere Krebs- und Immuntherapien.”
Die Übernahme soll voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der üblichen rechtlichen und behördlichen Genehmigungen.
Novartis hat in den letzten Monaten bereits mehrere große Übernahmen und Kooperationen bekannt gegeben, um seine Position in den Bereichen Neurowissenschaften, Immunologie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu stärken. Dazu gehören unter anderem die Übernahme von Avidity Biosciences für 12 Milliarden US-Dollar im vergangenen Oktober, eine erweiterte Zusammenarbeit mit Monte Rosa Therapeutics für 5,7 Milliarden US-Dollar und die Übernahme von Tourmaline Bio für 1,4 Milliarden US-Dollar im September 2025.
Auch andere große Pharmakonzerne wie Gilead und Johnson & Johnson investieren derzeit stark in die Entwicklung neuer oraler Krebsmedikamente. So hat Gilead im vergangenen Jahr 3 Milliarden US-Dollar in Kymera Therapeutics investiert, um Zugang zu einer vielversprechenden Prostatakrebstherapie zu erhalten. Johnson & Johnson sicherte sich für 750 Millionen US-Dollar die Rechte an einer Reihe von CDK2-Molekülen, die bei verschiedenen soliden Tumoren eingesetzt werden könnten.


